Alkohol als sozialer Schlüssel

Neulich, als ich mit einer Freundin gemütlich Kaffee trinken war, fiel mir eine Karte auf.

„Manche Flaschen öffnen sich leichter als Menschen. Bei Freunden klappt beides.“

Zunächst musste ich schmunzeln, doch gleich darauf spürte ich eine große Schwere in mir. Ein netter Spruch, der von Freundschaft, Nähe und Gemeinschaft handelt. Aber zwischen den Zeilen schwingt die Annahme mit, dass das eine nicht ohne das andere möglich ist.

Die Doppelmetapher in dem Spruch irritiert mich und macht mich nachdenklich.

Warum gilt Alkohol als selbstverständlicher und normaler Teil sozialer Nähe, obwohl uns die Risiken und Wirkungen bestens bekannt sind? Die gesellschaftliche Normalisierung, dass ein Glas dazugehört oder ein Kind mit 16 Jahren jetzt mal mittrinken darf, scheint in unserer Zeit immer noch fest verankert zu sein. Fakt ist jedoch, dass wir die Tatsachen von gesundheitlichen Folgeschäden, Abhängigkeit und den damit verbundenen sozialen Konsequenzen nicht mit Humor oder Tradition ausblenden können. Gemäss dem Bundesamt für Gesundheit BAG hat etwa jede dritte Person in der Schweiz min. eine Person mit Alkoholproblemen in ihrem Umfeld.

In meiner Praxis „Setzling Beratung“ begegne ich immer wieder tragischen Geschichten und schwierigen Situationen, die durch Alkohol bedingt sind. Wir müssen uns die ernst gemeinte Frage stellen, warum wir glauben, dass es zuerst ein Glas braucht, um sich zu öffnen oder sozial integriert zu sein. Und das sowohl aus der Perspektive des Gastgebers als auch aus der des Besuchers.
Denn oft ist es einfacher, mit Freunden eine Flasche zu öffnen, als zu erklären, warum man das nicht möchte.

  • Was ist dein Eindruck vom Umgang mit Alkohol und seiner Akzeptanz in unserer Gesellschaft?
  • Was ist einfacher: eine Flasche zu öffnen oder sie geschlossen zu lassen?
  • Wo hört Genuss auf und wann wird es problematisch?

Wenn eine Substanz zum sozialen Schlüssel wird, sollten wir uns fragen, welche Türen sie öffnet und ob dies wirklich der richtige Schlüssel ist.

Eine qualifizierte psychosoziale Beratung kann hier Klarheit schaffen und in Übergangsphasen eine wichtige Begleitung bieten. Dies gilt sowohl für Betroffene als auch für Angehörige. Mitglieder der SGfB (Schweizerische Gesellschaft für Beratung) sind Fachpersonen für psychosoziale Beratung und erfüllen entsprechende Qualitätsstandards.

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KI-generiertes Bild – dient nur zur Illustration.